{"id":1388,"date":"2017-07-27T20:25:34","date_gmt":"2017-07-27T19:25:34","guid":{"rendered":"http:\/\/a62.bplaced.net\/zdw2012\/?p=1388"},"modified":"2017-07-27T20:25:34","modified_gmt":"2017-07-27T19:25:34","slug":"sprache-stil-und-wirklichkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/a62.bplaced.net\/zdw2012\/sprache-stil-und-wirklichkeit","title":{"rendered":"Sprache, Stil und Wirklichkeit"},"content":{"rendered":"<p>In Bezug auf Bilder scheinen \u00fcberraschend viele Fotografen auf der Suche nach einer eigenen Sprache zu sein. W\u00e4re das wirklich so, \u00e4hnelten sie in diesem Bem\u00fchen dem Mann, der &#8211; in der irrt\u00fcmlichen Annahme, es w\u00e4ren Kinder &#8211; Hydranten \u00fcber &#8216;den Kopf&#8217; streichelt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich bem\u00fchen wir uns zum Beispiel im Bereich der gesprochenen bzw. geschriebenen Sprachen um Verst\u00e4ndigung, betrachten sie als Kommunikationsmittel. Wir w\u00fcnschen uns also kein eigenes, sondern im Gegenteil ein gemeinsames Zeichensystem. Warum also sollte jemand auf der Suche nach einer eigenen Bildsprache sein?<\/p>\n<p>Vermutlich geht es den meisten auch nicht um einen Bildstil, sondern &#8211; so meine Bef\u00fcrchtung &#8211; eher um Unverwechsel- und Wiedererkennbarkeit. Das jedenfalls ist mein Eindruck, wenn ich beobachte, dass Inhalte verschiedenster Art mit stets denselben Gestaltungsmitteln ins Bild gesetzt werden. Dass also z.B. ein Industrieroboter, eine Landschaft, eine 20j\u00e4hrige Nackte und ein Pflanzenstillleben im Querformat mit offener Blende, Verlaufs- und Weichzeichnungsfilter bei hochfrontalem Licht digital fotografiert und anschlie\u00dfend die Ergebnisse in den Gelb- und Rott\u00f6nen ents\u00e4ttigt werden. Das klingt nicht nur albern, sondern ist es auch, wird aber dennoch nicht selten so \u00e4hnlich praktiziert. Die Ergebnisse sind in ihrer Gesamtheit so unverwechselbar wie Leute, die \u00fcbelriechend, schlecht frisiert und mit Speiseresten befleckt in Erscheinung treten &#8211; au\u00dfergew\u00f6hnlich, aber nicht einmalig, daf\u00fcr aber stets unerw\u00fcnscht. Um beim Thema zu bleiben: Es wird allenfalls trunken gelallt und nicht gesprochen.<\/p>\n<p>Mich beschleicht der Verdacht, bis hierher etwas polemisch zu klingen, und ich gelobe Besserung. Ich schreibe diese Zeilen n\u00e4mlich nicht, um mich lustig zu machen, sondern, weil ich mich leidenschaftlich f\u00fcr die Bildnerei im Allgemeinen und die Fotografie im Besonderen begeistere und mich f\u00fcr ihre Entwicklung engagiere. Es geht mir &#8211; die \u00dcberschrift deutet es an &#8211; um den Zusammenhang zwischen Bildern und Wirklichkeit, zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Autor und Motiv. Um Klarheit und Pr\u00e4zision im Denken, im Schaffen. Um Zeichen und Bedeutung. Um Wirkkraft, Mut, Authentizit\u00e4t.<\/p>\n<p>Die bildsprachlichen Gestaltungsmittel, z.B. Form(at), Fl\u00e4che und Linie, Farbigkeit, Kontrast usw., sind vielf\u00e4ltig, das Vokabular unersch\u00f6pflich, das Regelwerk komplex, aber nicht undurchschaubar. In aller Regel gehen vom Sujet eines Bildes im Zusammenspiel mit dem Verwendungszweck auch Erfordernisse aus. Wir k\u00f6nnen deshalb nicht mit einer stets gleichen Manier oder Masche jedem beliebigen Bildgegenstand gerecht werden. Wir sollten uns Fragen stellen: Wer, wie, wo, was, warum soll abgebildet werden? Wir sollten die Ergebnisse sorgf\u00e4ltig daraufhin kontrollieren, ob sie frei von technischen und gestalterischen Fehlern den Erfordernissen gen\u00fcgen. Wir sollten den Mut und die Souver\u00e4nit\u00e4t besitzen, unzureichende Ergebnisse zu vernichten, bevor sie jemand zu Gesicht bekommt. Wenn wir regelm\u00e4\u00dfig und dauerhaft auf die so angedeutete Weise vorgehen, wird schnell und verl\u00e4\u00dflich etwas entstehen, was die Arbeit sehr erleichtert: Klarheit, Pr\u00e4zision, ein Gesp\u00fcr f\u00fcr Qualit\u00e4t und zuletzt intuitive Sicherheit. Klingt das nicht begeisternd, animierend, w\u00fcnschenswert?<\/p>\n<p>Es werden sich aber auch Vorlieben herauskristallisieren, und ich kenne nur sehr wenige ernstzunehmende Fotografen, die sich allem widmen. Vielmehr erfolgt fast immer irgendwann schon aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden eine Spezialisierung, eine Selbstbeschr\u00e4nkung auf wenige Themen. Vielleicht bildet sich dann ein eigener Stil, der sich aber hoffentlich immer aus dem Bildgegenstand entwickelt und eben nicht aus dem krankhaften und\/oder verzweifelten Bem\u00fchen um Einmalig-, Unverwechsel-, um Wiedererkennbarkeit.<\/p>\n<p>Solltest Ihr an diesem Punkt jemals ankommen und schon angekommen sein, bleibt weiter bem\u00fcht, stellt euch weiter jede Menge Fragen. W\u00e4re es nicht toll, sich \u00fcber die grundlegende Erkenntnis freuen zu k\u00f6nnen, warum ihr Autos, k\u00fcnstlerischen Akt, Landschaft oder Reportagefotografie zu eurem Bet\u00e4tigungsfeld auserkoren habt? Warum ihr in die Schw\u00e4rze des Nachthimmels fotografiert, bevorzugt im Winter an hochgelegenen, meist schwer zug\u00e4nglichen und unwirtlichen Orten? Was ist so spannend am Mond, der Milchstra\u00dfe, den Planeten? An Haut, Gesichtern, Augen? An Glanz und Gloria? An der Abstraktion?<\/p>\n<p>Warum Bilder schaffen und nicht am Strand liegen, sich sonnen, ein Buch lesen? Ficken, fressen, saufen, spielen?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1395\" src=\"http:\/\/a62.bplaced.net\/zdw2012\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_9944v02.jpg\" alt=\"IMG_9944v02\" width=\"720\" height=\"720\" srcset=\"http:\/\/a62.bplaced.net\/zdw2012\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_9944v02.jpg 720w, http:\/\/a62.bplaced.net\/zdw2012\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_9944v02-150x150.jpg 150w, http:\/\/a62.bplaced.net\/zdw2012\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_9944v02-300x300.jpg 300w, http:\/\/a62.bplaced.net\/zdw2012\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_9944v02-299x299.jpg 299w\" sizes=\"(max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/p>\n<p><a title=\"Mein Wunschzettel bei Amazon\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/registry\/wishlist\/3MR5W66A4XD45\/ref=topnav_lists_2\" target=\"_blank\">Hier<\/a> steht mein Hut. Falls Du etwas hineinwerfen m\u00f6chtest, freue ich mich sehr und bedanke mich recht herzlich! Falls nicht, hoffe ich trotzdem, dass diese Zeilen f\u00fcr dich in irgendeiner Weise n\u00fctzlich sind oder zumindest die Lekt\u00fcre eine Freude.<\/p>\n<p>PS: &#8216;Sinn machen&#8217; gibt es im Duden (noch) nicht. Warum blo\u00df? Genauso \u00fcbrigens wie die stark einsturzgef\u00e4hrdete Sprachkonstruktion, [Hauptsatz], weil [Hauptsatz], also z.B. &#8220;Das funktioniert nicht, weil das ist kaputt.&#8221; Ach ja, die Sprache. Wer es noch nicht geh\u00f6rt hat: <a title=\"F. Zaimoblu: Kanak Sprak, H\u00f6rbuch bei Amazon\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Kanak-Sprak-CD-Audio-Feridun-Zaimoglu\/dp\/3898130649\/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1501172525&amp;sr=1-1&amp;keywords=kanak+sprak+h%C3%B6rbuch\" target=\"_blank\">Kanak Sprak<\/a>. Herr Zaimoglu braucht auch Geld. Obwohl es ihm hoffentlich deutlich besser geht als mir &#8230; Finanziell betrachtet. ;-)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Bezug auf Bilder scheinen \u00fcberraschend viele Fotografen auf der Suche nach einer eigenen Sprache zu sein. W\u00e4re das wirklich so, \u00e4hnelten sie in diesem Bem\u00fchen dem Mann, der &#8211; in der irrt\u00fcmlichen Annahme, es w\u00e4ren Kinder &#8211; Hydranten \u00fcber &#8216;den Kopf&#8217; streichelt. 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