Abfall I

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1
Dieses Jahr habe ich in einem frisch erworbenen Konvolut von Dias eine Schachtel mit der Aufschrift ‘Abfall’ entdeckt und gehofft, in genau dieser wahre Schätze heben zu können. Doch sie war für mich eher eine Enttäuschung, es befanden sich lauter technisch einwandfreie Fotos in ihr, der Zahn der Zeit, Aufnahme- oder Entwicklungsfehler hatten sie unbeachtet gelassen, es waren weder das Bernsteinzimmer noch die Rückseite des Mondes abgebildet.

2
Eine ganze Schubkarre voller in braunen C5-Umschlägen verpackten Fotoabzüge fand sich im Straßengraben an einer nachts unbeleuchteten Stelle. Dort lagen die verworfenen Bilder einige Tage oder Wochen bei Sonnenschein und Regen, bei Wärme und Kühle, bis sie auf meinem Operationstisch landeten. Es lebten Krabbeltiere zwischen ihnen, wurde ich gewarnt. Auf den Abbildungen fand ich sehr mutig bekleidete Gäste von zahllosen Schaustellerbällen oder Diskoveranstaltungen in der deutschen Provinz. Ich konnte verstehen, dass sie keine Verwendung mehr fanden. Ungeziefer habe ich nicht entdeckt.


Fotoabzüge, ungezieferfrei – einfach mal draufklicken!

3
Täglich finde ich im Eingangsordner meines eMail-Programms Nachrichten, die ich ungelesen, aber händisch lösche. Leider kann ich diesen Vorgang nicht automatisieren, weil sie sämtlich von den eMail-Providern stammen und deren Blacklists sich konsequent weigern, den jeweiligen Provider aufzunehmen. Meine Lieblingsbetreffzeile zwischen all den Gewinncodes, den ultimativ letzten Möglichkeiten für einen günstigen Handytarif, den wahrheitswidrigen Behauptungen, ich liebte Fernsehen, ist jedoch die Aufforderung: ‘Entfernen Sie Datenmüll von Ihrem PC’. Mach’ ich ganz unaufgefordert, aber gezwungenermaßen ständig.

Adorf_2DWelt_20161215

4
Als kürzlich ein Gasversorger anrufen ließ, um mir mittels einer verführerischen Telefonstimme ein unwiderstehliches Angebot zu unterbreiten, obwohl ich gar keinen Gasanschluss habe, begann ich zu verstehen, dass etwas so sehr falsch sein kann, dass noch nicht mal das genaue Gegenteil richtig wäre …

5
Mein Personalausweis ist nun auch Abfall, weil er abgelaufen ist und solche Dokumente nicht verlängert werden. Es könnte ja sein, dass ich das Geschlecht gewechselt habe und/oder mich nun doch entschlossen habe, einen Gott anzubeten. Dass ich mich frisch rasiert fotografieren lassen und mir sofort anschließend einen IS-Hipster-Bart wachsen lassen könnte – oder umgekehrt -, ist hingegen völlig irrelevant. Die Biometrie für das neue Passbild werde ich mittels Bildbearbeitung minimalinvasiv korrigieren, schließlich möchte ich gerade bei Kontrollen einen guten Eindruck hinterlassen.
Über die ganz oben erwähnten Dias und den Schatz, den ich gar nicht gesucht, aber dennoch gefunden habe, berichte ich dann nächstes Mal. So ganz pointenfrei soll dieser Beitrag zwar heute enden, aber schließlich nicht bleiben.

Eigentlich schon 50 Shades of Grey gelesen? Nine Inch Nails gehört? Gemüsetartar gegessen? Pirna besucht? Manches davon habe ich getan, aber nicht alles. Zum Glück!

Dankeschön für die Treue, mit der sich immer noch viele von euch begeistert für meine Bilder und Beiträge interessieren, obwohl ich 2016 an dieser Stelle nur wenig vorgezeigt habe. Mein Wunschzettel freut sich auch immer, wenn ihm die eine oder andere Last von den schmalen Schultern genommen wird.